Ladeverluste bei 22 kW: Wie hoch sie sind und wie man sie verringern kann
Das Laden mit 22 kW gehört zu den schnellsten Möglichkeiten beim AC-Laden eines Elektroautos. Gleichzeitig kann eine höhere Ladeleistung die relativen Ladeverluste reduzieren, weil die Batterie schneller geladen wird und Nebenverbraucher des Fahrzeugs weniger lange aktiv sind. Aktuelle Messungen zeigen allerdings auch: Entscheidend ist nicht allein die Ladeleistung, sondern vor allem das Zusammenspiel aus Fahrzeug, On-Board-Charger und Ladebedingungen.
Wie hoch sind die Ladeverluste bei 22 kW?
Für echte 22-kW-Messungen ist die aktuelle Datenlage deutlich dünner als bei 11 kW. Der aktuelle ADAC-Test untersuchte fünf Elektroautos beim Laden mit der jeweils maximal möglichen AC-Leistung. Nur der Volvo EX30 konnte dabei tatsächlich mit 22 kW laden. Für ihn wurden 6,7 % Ladeverluste gemessen. Die übrigen vier Fahrzeuge waren beim AC-Laden auf maximal 11 kW begrenzt.
| Fahrzeug | maximale AC-Ladeleistung im Test | Ladeverlust |
|---|---|---|
| Volvo EX30 | 22 kW | 6,7 % |
| Mercedes CLA 350 EQ | 11 kW | 6,9 % |
| Renault 5 E-Tech | 11 kW | 5,1 % |
| Tesla Model Y | 11 kW | 6,1 % |
| VW ID.7 | 11 kW | 6,9 % |
Damit zeigt der aktuelle ADAC-Test keinen generellen Vorteil von 22 kW gegenüber 11 kW beim Ladeverlust. Der einzige im Test tatsächlich mit 22 kW geladene Wagen lag mit 6,7 % vielmehr im gleichen Bereich wie die Fahrzeuge mit 11 kW. Hier finden Sie alle Infos zu Ladeverlusten, die bei 11 kW anfallen.
Was die Ergebnisse außerdem zeigen: Der Unterschied zwischen Fahrzeugen kann somit größer sein als der Unterschied zwischen 11 und 22 kW.
Warum können Ladeverluste bei 22 kW geringer sein?
Die Unterschiede liegen meistens an der Ladedauer. Während des AC-Ladens benötigen unter anderem Steuergeräte, Batteriemanagement und weitere Systeme des Fahrzeugs Energie. Diese sogenannten Nebenverbraucher fallen auch dann an, wenn vergleichsweise wenig Ladeleistung übertragen wird. Bei 22 kW wird eine beliebige Energiemenge deutlich schneller übertragen als bei 11 kW. Dadurch sind die Nebenverbraucher kürzer aktiv.
Vereinfacht heißt das: höhere Ladeleistung → kürzere Ladedauer → weniger Zeit für Nebenverbraucher → geringere relative Verluste
Was man sich als Faustformel merken kann: Je höher die Ladeleistung, desto kürzer der Ladevorgang und desto geringer können die Ladeverluste ausfallen.
Allerdings: Das bedeutet nicht, dass eine Verdopplung der Ladeleistung automatisch zu einer Halbierung der Ladeverluste führt.
Wo entstehen die Ladeverluste bei 22 kW?
Auch beim 22-kW-Laden wird der Wechselstrom aus dem Stromnetz zunächst im Fahrzeug in Gleichstrom umgewandelt.
Die wichtigsten Verlustquellen sind:
- On-Board-Charger: Umwandlung von AC in DC (Hauptquelle für Ladeverluste)
- Nebenverbraucher: Steuergeräte und Bordelektronik
- Batterie: Verluste beim Speichern der Energie
- Ladekabel und Leitungen: elektrische Leitungsverluste
- Thermomanagement: je nach Temperatur und Fahrzeug
22 kW ist nicht automatisch 22 kW
Eine 22-kW-Wallbox kann nur dann tatsächlich 22 kW an das Fahrzeug übertragen, wenn auch das E-Auto über einen entsprechend leistungsfähigen On-Board-Charger verfügt. Unterstützt das Fahrzeug beispielsweise maximal 11 kW AC, lädt es auch an einer 22-kW-Wallbox nur mit bis zu 11 kW. Das ist bei E-Autos sehr häufig der Fall. Die maximale AC-Ladeleistung des Fahrzeugs ist daher für die Betrachtung der Ladeverluste entscheidend.
Was zeigen Messungen bei 22 kW?
ADAC: Volvo EX30 mit 22 kW
Die aktuellste und am besten dokumentierte Messung stammt vom ADAC. Im Test wurden fünf Elektroautos unter kontrollierten Bedingungen zwischen 10 und 90 % Ladezustand geladen. Die Batterietemperatur lag zu Beginn jeweils zwischen 20 und 30 °C. Der Volvo EX30 war das einzige Testfahrzeug, das die 22 kW AC tatsächlich nutzen konnte. Der gemessene Ladeverlust betrug 6,7 %.
Damit liefert der ADAC einen guten aktuellen Referenzwert für 22-kW-Laden. Allerdings handelt es sich nur um ein einziges Fahrzeugmodell und nicht um eine allgemeingültige Aussage für alle 22-kW-Elektroautos.
Gibt es eine Studie mit mehreren Fahrzeugen bei 22 kW?
Neben dem ADAC-Test existieren ältere Praxis- und Community-Messungen, beispielsweise an Renault Zoe mit 22 kW. Diese sind jedoch keine standardisierten wissenschaftlichen Vergleichstests und sollten deshalb nicht auf dieselbe Stufe wie ADAC- oder wissenschaftliche Messungen gestellt werden.
Was bedeuten die Ladeverluste bei 22 kW finanziell?
Nehmen wir an, dass 3.000 kWh pro Jahr tatsächlich in der Batterie ankommen und der Ladeverlust bei 22 kW 6,7 % beträgt.
Dann müssen aus dem Stromnetz rund 3.000 ÷ 0,933 = 3.215 kWh bezogen werden.
Das entspricht einem zusätzlichen Energiebedarf von rund 215 kWh pro Jahr.
Bei einem Strompreis von 40 Cent/kWh entstehen dafür rund 86 € pro Jahr.
| Ladeverlust | Strombezug für 3.000 kWh Batterieladung | Verlustenergie | Kosten bei 40 ct/kWh |
|---|---|---|---|
| 5 % | 3.158 kWh | 158 kWh | 63 € |
| 6 % | 3.191 kWh | 191 kWh | 76 € |
| 6,7 % | 3.215 kWh | 215 kWh | 86 € |
| 7 % | 3.226 kWh | 226 kWh | 90 € |
| 8 % | 3.261 kWh | 261 kWh | 104 € |
| 10 % | 3.333 kWh | 333 kWh | 133 € |
Wann lohnt sich eine 22-kW-Wallbox?
Die höhere Ladeleistung ist vor allem dann interessant, wenn das Fahrzeug sie tatsächlich nutzen kann und kurze Ladezeiten wichtig sind.
Beispielsweise kann 22 kW sinnvoll sein bei:
- hohen täglichen Fahrleistungen
- mehreren Elektroautos
- kurzen Standzeiten
- Fahrzeugen mit 22-kW-On-Board-Charger
- gewerblicher Nutzung oder Dienstwagen
- Ladepunkten, an denen das Fahrzeug schnell wieder verfügbar sein muss
So lassen sich Ladeverluste bei 22 kW reduzieren
- Mit hoher Ladeleistung laden: Wenn das Fahrzeug 22 kW unterstützt, kann die kürzere Ladezeit die relativen Verluste durch Nebenverbraucher reduzieren.
- Batterie bei geeigneten Temperaturen laden: Eine unnötige Temperierung kann zusätzlichen Energieverbrauch verursachen.
- Passendes Ladekabel verwenden: Kabel und Installation sollten für 22 kW ausgelegt sein.
- Nicht unnötig lange laden: Nach Abschluss des eigentlichen Ladevorgangs sollte das Fahrzeug nicht unnötig über Stunden im Ladebetrieb bleiben.
- Auf den On-Board-Charger achten: Ein effizientes Ladegerät im Fahrzeug hat einen größeren Einfluss auf die Ladeverluste als allein die maximale Leistung der Wallbox.
Bedeutung der Ladeverluste bei 22 kW für den Alltag
Einen allgemein gültigen Ladeverlust für 22 kW gibt es nicht. Die aktuelle ADAC-Untersuchung liefert mit dem Volvo EX30 einen konkreten Messwert von 6,7 % bei 22 kW. Gleichzeitig zeigt der Test, dass andere Fahrzeuge bei 11 kW zwischen 5,1 und 7,0 % lagen.
Damit lässt sich derzeit nicht seriös sagen, dass 22 kW grundsätzlich weniger Ladeverluste verursachen als 11 kW. Zwar kann die höhere Leistung durch die kürzere Ladedauer die relativen Verluste durch Nebenverbraucher reduzieren. Wie effizient das Laden tatsächlich ist, hängt aber wesentlich vom On-Board-Charger und vom Fahrzeug ab.

