Ladeverluste bei 11 kW Ladeleistung – Wie hoch sie sind und wie sie reduziert werden können
Das Laden mit 11 kW an einer Wallbox gilt als besonders praktische und effiziente Möglichkeit, ein E-Auto zu Hause zu laden. Im Vergleich zum Laden an einer Haushaltssteckdose können die Ladeverluste deutlich geringer ausfallen. Wie hoch sie tatsächlich sind, hängt jedoch vom Fahrzeug und den Ladebedingungen ab. Messungen des ADAC zeigen bei verschiedenen Elektroautos Ladeverluste von 6,3 bis 9,7 % bei 11 kW.
Wie hoch sind die Ladeverluste bei 11 kW?
Der ADAC hat vier Elektroautos unter vergleichbaren Bedingungen untersucht. Die Batterien wurden jeweils um 20 % geladen. Dabei wurde die Energie am geeichten Stromzähler mit der tatsächlich in der Batterie gespeicherten Energie verglichen.
| Elektroauto | Ladeleistung | Gemessener Ladeverlust |
|---|---|---|
| Fiat 500e | 11 kW | 6,3 % |
| Tesla Model 3 | 11 kW | 7,7 % |
| VW ID.3 | 11 kW | 9,0 % |
| Renault Zoe | 11 kW | 9,7 % |
Die Messungen zeigen: Auch bei 11 kW geht ein Teil der Energie auf dem Weg vom Stromnetz in die Batterie verloren. Gleichzeitig sind die Verluste bei allen vier getesteten Fahrzeugen geringer als beim Laden an der Haushaltssteckdose.
Als grobe Orientierung lässt sich daher sagen: Bei 11 kW AC-Laden liegen die Ladeverluste häufig im einstelligen Prozentbereich. Einen für jedes E-Auto gültigen Wert gibt es allerdings nicht.
Messergebnisse beim Laden mit 11 kW
Die folgenden Studien bzw. Untersuchungen zeigen, welche Ladeverluste beim Laden mit 11 kW tatsächlich anfallen.
1. ADAC (2026): Messungen an fünf Elektroautos
Der ADAC hat 2026 die Ladeverluste von fünf aktuellen Elektroautos unter anderem beim Laden an einer Wallbox mit 11 kW beziehungsweise der maximal möglichen AC-Ladeleistung untersucht. Gemessen wurden der Strombezug am geeichten Stromzähler und die tatsächlich in der Batterie gespeicherte Energie. Die Ladeverluste lagen bei 5,1 % beim Renault 5 E-Tech, 6,1 % beim Tesla Model Y, 6,9 % beim Mercedes CLA 350 EQ, 6,9 % beim VW ID.7 und 7,0 % beim Volvo EX30. Damit lagen alle fünf Fahrzeuge unter 7 %. Die Untersuchung zeigt gleichzeitig, dass die Ladeverluste deutlich vom jeweiligen Fahrzeug und dessen On-Board-Charger abhängen.
2. ÖAMTC (2022): Vier Elektroautos mit 11-kW-On-Board-Charger
Der ÖAMTC untersuchte die Ladeverluste von Tesla Model 3, VW ID.3, Hyundai IONIQ 5 und Peugeot e-2008. Alle Testfahrzeuge verfügten über einen dreiphasigen 11-kW-On-Board-Charger; die verwendete AC-Ladeinfrastruktur war auf 11 kW begrenzt. Gemessen wurde ein vollständiger Ladezyklus von 1 bis 100 %. Die Ladeverluste lagen beim Tesla Model 3 bei 6,69 %, beim VW ID.3 bei 8,25 %, beim Hyundai Ioniq 5 bei 8,79 % und beim Peugeot e-2008 bei 9,92 %. Die Ergebnisse zeigen die erheblichen Unterschiede zwischen den Fahrzeugen, insbesondere bei der Effizienz der verbauten On-Board-Charger.
3. Reick et al. (2021): Kia e-Niro bei 11 kW
Die wissenschaftliche Studie von Reick et al. untersuchte unter anderem den Einfluss von Ladeleistung, Phasenzahl und Ladestrom auf die Ladeverluste. Beim Kia e-Niro wurde mit drei Phasen und 16 A, also mit rund 11 kW, geladen. Dabei wurde eine Ladeeffizienz von 87,21 % gemessen, was einem rechnerischen Ladeverlust von 12,79 % entspricht. Die Autoren stellten gleichzeitig fest, dass das Laden mit drei Phasen und 16 A die beste der untersuchten Ladevarianten war. Die Studie zeigt damit, dass selbst bei 11 kW je nach Fahrzeug und Messbedingungen deutlich höhere Verluste als in neueren ADAC- oder ÖAMTC-Messungen auftreten können.
Wo entstehen die Ladeverluste bei 11 kW?
Die Energie geht nicht an einer einzigen Stelle verloren. Beim AC-Laden sind mehrere Komponenten beteiligt.
On-Board-Charger
Die Wallbox liefert Wechselstrom. Die Batterie benötigt dagegen Gleichstrom. Deshalb muss der On-Board-Charger des E-Autos AC in DC umwandeln. Bei dieser Umwandlung entsteht Wärme und damit ein Teil der Ladeverluste. Der ADAC nennt für die Umwandlung beim AC-Laden Größenordnungen von etwa 5 bis 10 %, abhängig vom jeweiligen Fahrzeug und System.
Batterie
Auch die Batterie selbst ist nicht verlustfrei. Bei der Umwandlung elektrischer Energie in gespeicherte chemische Energie entsteht ebenfalls Wärme.
Ladekabel und Leitungen
Durch den elektrischen Widerstand von Kabeln und Leitungen entstehen zusätzliche Verluste. Bei einer korrekt dimensionierten Installation sind diese im Vergleich zu den wesentlichen Umwandlungsverlusten jedoch relativ gering.
Fahrzeug-Elektronik
Während des Ladevorgangs bleiben Steuergeräte und weitere Systeme aktiv und benötigen Energie. Gerade bei langen Ladevorgängen mit niedriger Leistung (z. B. beim Laden an der Schuko-Steckdose) können diese Nebenverbraucher die relativen Ladeverluste erhöhen.
11 kW im Vergleich zu 2,3 kW
Der Unterschied wird besonders deutlich beim Vergleich mit der Haushaltssteckdose. Beim ADAC-Test wurden die gleichen vier Fahrzeuge einmal mit 2,3 kW und eimal mit 11 kW geladen:
| Elektroauto | 2,3 kW | 11 kW |
|---|---|---|
| Fiat 500e | 12,7 % | 6,3 % |
| Renault Zoe | 24,2 % | 9,7 % |
| Tesla Model 3 | 15,2 % | 7,7 % |
| VW ID.3 | 13,6 % | 9,0 % |
Damit lagen die Ladeverluste bei 11 kW bei allen vier Fahrzeugen niedriger. Besonders deutlich war der Unterschied beim Renault Zoe. Das zeigt, warum eine Wallbox nicht nur wegen der höheren Ladegeschwindigkeit interessant ist: Sie kann auch dazu beitragen, die relativen Ladeverluste zu reduzieren.
Warum sind die Ladeverluste bei 11 kW relativ gering?
Der Hauptgrund ist die kürzere Ladedauer. Auch während des Ladens benötigen verschiedene Systeme des Fahrzeugs Energie. Dazu gehören beispielsweise Steuergeräte, Batteriemanagement und je nach Situation weitere Verbraucher. Bei einer höheren Ladeleistung wird eine bestimmte Energiemenge schneller übertragen. Dadurch bleiben diese Nebenverbraucher weniger lange aktiv.
Beim AC-Laden gilt grundsätzlich, dass eine höhere Ladeleistung die Ladedauer verkürzt und damit die Zeit reduziert, in der fahrzeugseitige Verbraucher während des Ladevorgangs Energie benötigen.
Bei 22 kW fallen in der Regel noch geringere Ladeverluste an. Warum das so ist und was man tun kann lesen Sie in unserem Beitrag Ladeverluste bei 22 kW Ladeleistung.
Was bedeutet der Ladeverlust bei 11 kW finanziell?
Angenommen, Sie laden insgesamt 3.000 kWh pro Jahr und der Ladeverlust beträgt 8 %.
Dann müssen Sie aus dem Stromnetz etwa 3.000 kWh ÷ 0,92 = 3.261 kWh beziehen.
Der zusätzliche Energiebedarf beträgt damit rund 261 kWh pro Jahr.
Bei einem Strompreis von 40 Cent/kWh entspricht das 104,40 € pro Jahr.
Die folgende Tabelle zeigt die Mehrkosten, die beim jeweiligen Ladeverlust entstehen. Wenige Prozentpunkte beim Ladeverlust können über ein Jahr einen spürbaren finanziellen Unterschied machen.
| Ladeverlust | Strom für 3.000 kWh in der Batterie | Mehrenergie | Kosten bei 40 ct/kWh |
|---|---|---|---|
| 5 % | 3.158 kWh | 158 kWh | 63,20 € |
| 6 % | 3.191 kWh | 191 kWh | 76,40 € |
| 7 % | 3.226 kWh | 226 kWh | 90,40 € |
| 8 % | 3.261 kWh | 261 kWh | 104,40 € |
| 9 % | 3.297 kWh | 297 kWh | 118,80 € |
| 10 % | 3.333 kWh | 333 kWh | 133,20 € |
11 kW und PV-Überschussladen
Beim PV-Überschussladen wird teilweise mit weniger als 11 kW geladen, weil die verfügbare Solarleistung schwankt. Das kann die relativen Ladeverluste erhöhen. Genau diesen Effekt hat der ADAC mit reduzierter Ladeleistung untersucht. Beim Fiat 500e wurden bei 3,6 kW beispielsweise 13,9 % Ladeverlust gemessen, beim Tesla Model 3 bei 3,5 kW 11,4 % und beim VW ID.3 bei 5,5 kW 9,2 %.
Die Messung war allerdings kein PV-Überschusstest, sondern eine Untersuchung reduzierter AC-Ladeleistung. Sie zeigt daher nicht direkt die Verluste einer PV-Anlage, sondern den Einfluss einer niedrigeren Ladeleistung.
Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag Ladeverluste beim PV-Überschussladen.
So können Sie Ladeverluste reduzieren
Einige Maßnahmen können helfen, unnötige Verluste zu vermeiden:
- Mit ausreichender Ladeleistung laden: Sehr niedrige Ladeleistungen können aufgrund der langen Ladedauer ungünstiger sein.
- Wallbox statt Haushaltssteckdose: Eine Wallbox ermöglicht eine höhere Ladeleistung und reduziert bei vielen Fahrzeugen die relativen Ladeverluste.
- Batterie nicht unnötig bei extremen Temperaturen laden: Besonders kalte Batterien können zusätzliche Energie für die Temperierung benötigen.
- Ladekabel passend dimensionieren: Ein geeignetes Kabel reduziert unnötige Leitungsverluste.
- Ladevorgänge nicht unnötig verlängern: Wenn das Fahrzeug bereits ausreichend geladen ist, muss es nicht über viele zusätzliche Stunden angeschlossen bleiben.
Bedeutung in der Praxis
Wie hoch die Verluste tatsächlich sind, hängt jedoch vom Fahrzeug und den individuellen Ladebedingungen ab. 11 kW sind für das Laden zu Hause daher nicht nur schnell genug für viele Alltagssituationen, sondern bei den untersuchten Fahrzeugen auch eine vergleichsweise effiziente Ladeleistung.

